Die Goitzsche

Ursprünglich wollte ich jedes Jahr auf Usedom ein Training anbieten, vorzugsweise immer am selben Termin. Himmelfahrt war im Jahr 2008 frei und so sollte es sein. Drei Jahre ging es auch gut, bis unter anderem ich selber vorschlug, den Termin für die ebenfalls im Jahr 2008 ‚kreierte‘ Idee einer jährlichen IDB für das Jahr 2011 auf das Himmelfahrt-Wochenende zu legen. Die terminliche Umverlegung verschlug das Training außerdem noch deutlich weiter in die Mitte Deutschlands, an das Steinhuder Meer um die oft bemängelte lange Anreise zu entspannen. Da sich Himmelfahrt als Termin für eine höherwertige Veranstaltung anbietet, kam es wie es kommen musst. Ich selber habe dafür gestimmt, die IDB erstens über diese vier Tage und zweitens nach Steinhude zu legen. Um nun nicht noch ein viertes Mal in Steinhude aufzuschlagen (obwohl das Revier für einen Binnensee unglaublich konstanten Wind bietet), möchte ich aus der Not eine Tugend machen. Warum kann man nicht mit einem Training, was ‚lediglich‘ Liegeplätze, Tonnen, ein Motorboot , Essen und gelegentlich ein Dach über dem Kopf braucht, auf Tour gehen? Meine Wahl für 2012 ist auf ein Revier gefallen, wo ich zu den vorgenannten Punkten auch noch einen zuverlässigen Ansprechpartner, einen Zeltplatz am See und Hotels in der Nähe gefunden habe. Ich habe an diesem See seit meinem ersten Besuch im Jahr 2006 immer wieder gestanden und mich geärgert, dass ich kein Boot dabei hatte. Im Folgenden möchte ich es euch vorstellen.

Im Jahr 2002 bekam die Stadt Bitterfeld am Rande von Sachsen-Anhalt über Nacht einen vollwertigen See vor die Nase gesetzt. Der ehemalige Braunkohletagebau Goitzsche (sprich Gottsche, mit angehauchtem ö), Teil des Bitterfelder Bergbaureviers, schwappte voll, als die aufgeweichten Dämme des benachbarten Flusses Mulde brachen. Bitterfeld wurde vor Schlimmerem bewahrt, bekam aber dennoch das Hochwasser zu spüren, weil der Pegel des Sees binnen Stunden mehr als sieben Meter anstieg. Damit war der See nicht wie geplant im Jahr 2006, sondern bereits 2002 fertig.

Seit dem Jahr 2005 kann auf der Goitzsche Wassersport betrieben werden. Die durchweg neuen Anlagen der umliegenden Clubs und Marinas laden zum Segeln, schöne Restaurants zum Essen und Trinken ein. Durch die Flutung mit dem Wasser der Mulde ist das Wasser nicht wie in anderen gefluteten Tagebauten sauer, sondern fast neutral und wird mittlerweile von einem Fischereibetrieb bewirtschaftet. Mit über 13 km² ist der See fast doppelt so groß wie der Müggelsee. Für Segler positiv ist die spärliche Bewaldung der Umgebung, der Wind hat freie Bahn.

Am See liegen zum Beispiel der Yachtclub Bitterfeld (www.yachtclub-bitterfeld.de) mit Jollengelände, Slipbahn und Wasserliegeplätzen sowie direkt nebenan der Campingplatz Goitzsche Camp (www.goitzsche-camp.de), ebenfalls mit Liegemöglichkeiten. Segeln lernen und Boote mieten kann man zum Beispiel bei der Segelschule 2WATER (www.2water.de). BTM Marine, der Hersteller der bekannten Ixylon-Jolle, hat seinen Sitz in Bitterfeld und betreibt dort eine Yachtschule (www.ixylon.de). Unterkünfte und weitere Informationen über die Region sind auf der Homepage der Tourismusregion Anhalt-Wittenberg (www.bitterfeld-online.de) zu finden.

Ich freue mich, wenn ihr mit mir zusammen auf Wanderschaft geht und Lust habt, im Rahmen eines Trainings dieses Revier, auf dem schon Meisterschaften ausgesegelt wurden, kennenlernen wollt.

Erschienen im Topcat Yearbook 2011/12 der International Topcat Class Association (www.itca.de)

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